
Bald ist der Windpark Forstenrieder Park nicht mehr zu übersehen: Mit der Montage des ersten Turms ist das interkommunale Projekt auch aus der Ferne deutlich erkennbar. In den nächsten Wochen steht die Montage der übrigen fünf Türme an – zunächst bis auf eine mittlere Höhe.
Mit dem Turmbau der sechs Windräder im Forstenrieder Park nimmt ein interkommunales Projekt konkret Gestalt an. „Damit zeigt sich, was möglich ist, wenn Menschen aus der Region für die Menschen in der Region arbeiten“, sagt Katharina Habersbrunner, Geschäftsführerin der Bürgerwindpark Forstenrieder Park Verwaltungs GmbH. Denn die sechs Windräder gehören den Bürgerinnen und Bürgern rund um den Forstenrieder Park und werden eine ganze Region mit Strom und Einnahmen aus der Stromvergütung versorgen und energieunabhängiger machen.
In den vergangenen Tagen wurde der erste Turm montiert, jetzt folgen die nächsten. Dabei setzt ein Baukran an jeder der Anlagen 2,80 Meter hohe und zwischen 30 und 50 Tonnen schwere Turmsegmente aus Beton aufeinander – bis eine Höhe von etwa 90 Metern erreicht ist. Danach geht es im Inneren weiter: Technische Komponenten und Elektrik werden eingebaut, bevor die Bauteile für den oberen Teil der Anlagen folgen.
„Der Windpark wird jetzt aus der Ferne jeden Tag ein Stück sichtbarer“, sagt Katharina Habersbrunner. Ab Ende Oktober folgen nach und nach die Großkomponenten wie Maschinenhaus, Generator und Rotorblätter.
Bildunterschrift: Die Windpark-Gesellschafter (v.l.n.r.): Robert Hrasky, Bürgermeister Neuried, Katharina Habersbrunner, Geschäftsführerin der Bürgerwindpark Forstenrieder Park Verwaltungs GmbH, Christian Fürst, Bürgermeister Schäftlarn, Christine Eisemann, Bürgermeisterin Pullach, Patrick Ott, Bürgermeister Baierbrunn und Marlene Greinwald, Vorständin der Energiegenossenschaft Fünfseenland.
Versorgung einer ganzen Region
Nach Fertigstellung werden die Anlagen vom Boden bis zur Spitze des obersten Flügels 246 Meter hoch sein. Sie liefern dann so viel Strom, wie 20.000 Zwei-Personen-Haushalte pro Jahr verbrauchen. „Damit trägt der Windpark deutlich zur Stromversorgung der Region bei und bringt die Energiewende voran, die derzeit spürbar unter Beschuss steht. In einer wirtschaftlich starken Region wie unserer brauchen wir konstruktive Lösungen, die den Energiehunger in absehbarer Zeit decken. Deshalb nehmen wir die Energiewende selbst in die Hand und investieren mit unseren Nachbarinnen und Nachbarn unser Geld hier, wo wir leben“, sagt Katharina Habersbrunner.
Davon profitiert die Region am Ende nicht nur hinsichtlich der Stromversorgung, sondern auch finanziell: „Einerseits ganz direkt durch die Bürgerbeteiligung, an der nur Menschen teilnehmen konnten, die rund um den Forstenrieder Park leben. Andererseits indirekt durch die Anteile, die den Kommunen Baierbrunn, Neuried, Pullach und Schäftlarn gehören“, so Katharina Habersbrunner. Zwei der insgesamt sechs Anlagen gehören zudem der Innovativen Energie für Pullach GmbH (IEP), einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Gemeinde Pullach, die den klimafreundlichen Windstrom für ihre Geothermieanlage nutzen wird. „Wir wollten sicherstellen, dass wir im besten Sinn regionale Wertschöpfung betreiben“, sagt sie.
Während westlich der A95 die ersten Türme wachsen, laufen östlich der A95 die Vorbereitungen für den nächsten Bauabschnitt. Ist die Montage im Westen abgeschlossen, zieht der Turmkran weiter auf die Ostseite.
Zwischen dem 5. und 7. September kam es an einem Standort zu Sachbeschädigungen. Unbekannte besprühten Turmsegmente. Das genaue Ausmaß des entstandenen Sachschadens wird derzeit geprüft und kann erst nach Abschluss der Reinigungsmaßnahmen beziffert werden. Die Entfernung erfolgt fachgerecht sowie unter Berücksichtigung aller umweltrechtlichen Vorgaben. Auswirkungen auf den Baufortschritt werden nach aktuellem Stand nur in geringem Umfang erwartet. Mögliche Verzögerungen lassen sich innerhalb der im Projektablauf vorgesehenen Pufferzeiten auffangen. Die Inbetriebnahme der Windenergieanlagen ist weiterhin für das Jahr 2027 vorgesehen.
Die Windkraft Forstenrieder Park
Das Bürgerwindprojekt Windkraft Forstenrieder Park ist eine Initiative der vier Kommunen Baierbrunn, Neuried, Pullach und Schäftlarn. Gemeinsam mit der Innovative Energie für Pullach GmbH (IEP) errichten sie sechs Windräder im Forstenrieder Park. Die vier Gemeinden sind in der Ende 2023 gegründeten Betreibergesellschaft vertreten. Die Bürgerenergiegenossenschaft BENG eG und die Energiegenossenschaft Fünfseenland eG wurden im Jahr 2024 ebenfalls Kommanditisten der Betreibergesellschaft. Bürgerinnen und Bürger sind mit 2,4 Millionen Euro am Projekt über Energiegenossenschaften finanziell beteiligt.
Details unter: www.windkraft-forstenriederpark.de
Zahlen, Daten, Fakten
Windräder: Die sechs Windenergieanlagen haben eine Gesamthöhe von 246 Metern. Jede Anlage hat eine Leistung von 5,5 Megawatt, die Gesamtleistung liegt somit bei 33 Megawatt. Die Anlagen können bilanziell den Stromverbrauch von 20.000 Zwei-Personen-Haushalten decken. Drei Anlagen entstehen westlich, drei östlich der Autobahn A95.
Ausgleichsflächen: Die Windkraft Forstenrieder Park hat auf 2,5 Hektar in der Gemeinde Baierbrunn 7.100 Bäume und 1.100 Sträucher als Ausgleich für die Eingriffe in den Wald gepflanzt. In Abstimmung mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) entsteht damit angrenzend an den Forstenrieder Park ein vielfältiger Mischwald aus Buche, Eiche, Tanne, Winterlinde, Hainbuche und Birke. Holzapfel, Vogelbeere und weitere Sträucher gestalten den Waldrand und schaffen weitere Lebensräume. Elf Greifvogelansitze unterstützen die natürliche Regulierung von Mäusen und anderen Kleintieren. Die Maßnahmen erhalten die Fläche des Bannwalds und stärken zugleich seinen ökologischen Wert.
Wiederherstellung der Baustellenflächen: Auch die sechs Baustellenflächen der Windkraftanlagen werden nach der Fertigstellung renaturiert und ökologisch aufgewertet.
